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Digitalisierung auf Kurs? – Der 44. Deutsche Krankenhaustag und die Bundestagswahl 2021

Parallel zur weltweit größten Medizinmesse Medica in Düsseldorf findet auch in diesem Jahr erneut eine digitale Version des Deutschen Krankenhaustages statt. Gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl liegt der Fokus dabei klar auch auf erwartbaren politischen Entscheidungen – das diesjährige Motto lautet dementsprechend „Kurswechsel in der Krankenhauspolitik?!“
Interessierte können vom 15. bis 17. November via Livestream teilnehmen und so die geplanten Diskussionsrunden verfolgen.

Signale an die Politik: Was muss sich wirklich ändern?

Unabhängig vom Ausgang der Wahl diskutieren Krankenhausleiter und Gesundheitsexperten jedoch bereits seit längerem lebhaft über Maßnahmen und Regelungen, die einer zielgerichteten Digitalisierungswelle im Gesundheitssektor noch immer im Wege stehen, ebenso aber auch über erste bereits sichtbare Ergebnisse.
Es zeigt sich demnach, dass die zuletzt erfolgten Investitionen in das Gesundheitswesen vor allem die medizinische Klinikausstattung betrafen. 67% der medizinischen Angestellten, welche von YouGov im Auftrag von Avaya (Anbieter für Kommunikations- und Contact-Center-Lösungen) befragt wurden, bewerten diese demnach als positiv. Problematisch bleibt jedoch weiterhin die hausinterne Kommunikation, welche nach wie vor häufig lediglich auf persönlicher Ebene stattfindet und somit kaum digitale Lösungen einbindet. Hinzu kommt, dass 44% der Befragten selbst bereits bestehende digitale Kommunikationswege wie Chats oder Video-Calls als nicht zufriedenstellend umgesetzt wahrnehmen – digitale Lösungen fehlen demnach nicht nur in vielen Bereichen generell, sondern werden oft auch nicht ganzheitlich durchdacht umgesetzt.
Ergebnis: Derzeit setzen nur drei Prozent aller medizinischen Fachkräfte in deutschen Kliniken auf die Videotelefonie als Co-Working-Tool!

Fähige Digitalisierer für eine erfolgreiche Digitalisierung

Die geschilderten Problematiken in der Umsetzung bereits bestehender digitaler Systeme zeigt, dass der Diskurs nicht ausschließlich um die Kernthemen Finanzierung und staatliche Föderung kreisen darf: Das „Deutsche Ärzteblatt“ (DÄ) hat in diesem Zusammenhang 18 Experten aus verschiedenen Bereichen der Gesundheitsversorgung interviewt, wobei die Thematik des Personalmangels mehrfach aufgegriffen wird. Interessant ist jedoch: Es fehlt nicht nur an medizinischem Personal – auch der IT-Bereich ist unzureichend besetzt.
Jörg Noetzel, Medizinvorstand der Mühlenkreiskliniken in Minden (kommunaler Träger mit fünf Standorten), sieht diesen Expertenmangel als eines der drei gravierendsten Probleme im Gesundheitssektor überhaupt – und verortet dessen Ursprung in einem antiquierten Finanzierungssystem: „Wir brauchen IT-Fachkräfte, um Innovationen durch Digitalisierung in den Krankenhäusern zu ermöglichen. Also müssen wir auch in die Lage versetzt werden, sie angemessen zu bezahlen. […] Wir brauchen […] ein neues Vergütungssystem, mit dem die Sektorengrenzen überwunden werden. Hier könnte die Entwicklung in Richtung Regionalbudgets gehen.“

Quellen:

https://www.funkschau.de/office-kommunikation/bereit-fuer-ein-update-interner-arbeitsprozesse.189767.html

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127106/Wir-brauchen-ein-System-das-klar-festlegt-welche-Krankenhaeuser-unverzichtbar-sind

https://www.kma-online.de/aktuelles/management/detail/44-deutscher-krankenhaustag-digital-diskutiert-ueber-zukunft-a-46212