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Gesundheitsdaten-Sharing: datenschutzkonforme Nutzung schafft Vorteile für alle

Wer in seinem Fahrzeug sitzend gerade einen Stau umfährt, nutzt dafür Daten und somit Erkenntnisse und Erfahrungen zahlreicher anderer Verkehrsteilnehmer – und profitiert somit aktiv von Daten-Sharing. Mit diesem Beispiel steigt Prof. Dr. Hagen Pfundner, Vorstand der Roche Pharma AG, gerne in die Debatte um die deutsche Digitalisierung in Gesundheitswesen und Medizin ein. Der Standpunkt ist klar: Nur wenn die Gesundheitsdaten vieler User öffentlich zugänglich werden, lassen sich hieraus Rückschlüsse auf bestehende Krankheitsbilder anderer Patienten bilden, wovon diese in ihrem Genesungsprozess profitieren können.
„Die Datennutzung bereichert unser Wissen. Dieses Wissen gibt uns die Möglichkeit, eine Patientin oder einen Patienten ganz gezielt zu behandeln: In den Daten finden wir die Information, wie ein Betroffener sein Gesundheitsproblem am besten […] managen kann, je nachdem, wo er sich gerade im Stadium der Erkrankung befindet. Die zielgerichtete, personalisierte Therapie ist ohne die Digitalisierung gar nicht möglich.“

Datenschutz und öffentliches Interesse miteinander vereinen

Klare Worte, die sich nahtlos auch der immerwährenden Debatte um Datenschutzrichtlinien zuwenden. Natürlich ist Google Maps – die App, die Pfundner für seinen Vergleich bemüht – in diesem Kontext nicht unumstritten. Gerade deshalb muss es Grundvoraussetzung sein, dass die öffentliche Nutzung von persönlichen Gesundheitsdaten unter strikter Einhaltung der DSGVO geschieht. Partikularinteressen sollen somit gesetzeskonform langfristig hinter das Allgemeinheitswohl und -interesse zurücktreten.
Die Auswirkungen kämen einer wahren Revolution des Gesundheitswesens gleich: Der persönliche Wohnort würde dank Telemedizin fast vollständig irrelevant, was die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen angeht – das Wissen aus medizinischen „Spitzenzentren“ würde bis aufs Land vordringen. Dank „Remote Diagnostics“ könnten am Wohnort entnommene Blut- und Gewebeproben digital verarbeitet, versandt und damit ortsunabhängig durch Experten analysiert werden.

Digitalisierung endlich technisch und strukturell angehen

Wenn die Zukunftsaussichten eines digitalisierten Gesundheitswesens insgesamt auch noch so verlockend erscheinen, so ist von dessen Umsetzung in unserer gegenwärtigen Gesellschaft bislang nur wenig zu spüren. Pfundner teilt dabei die allgemeine Meinung, dass in Deutschland ein erhöhter Nachholbedarf besteht:
„Wir haben bisher vor allem über die Bedeutung der Digitalisierung diskutiert, aber eigentlich gar nicht über die Frage, was gemacht werden müsste, damit es funktioniert. […] Das eigentliche Problem ist nicht, dass es keine Daten gibt – denn die gibt es […], sondern die Herausforderung, diese Daten so zu strukturieren, dass man aus Ihnen Erkenntnisse ziehen kann, d.h. dass Daten Sinn machen.“

Quelle:

https://www.pharma-fakten.de/news/details/1102-aus-daten-sinn-machen/