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Digital-Gipfel 2020: von der Digitalisierung, Angela Merkel und den „Bummelletzten“

Es gibt Veranstaltungen, die in Zeiten der Pandemie merkwürdig anmuten: menschenleere Konzert- und Theatersäle, aus denen via Livestream das einst vor Publikum stattfindende Programm in alle Welt verbreitet wird, ebenso wie virtuelle Messen oder Museumsrundgänge – doch der Digital-Gipfel gehört sicherlich nicht dazu. Was würde, auch abgesehen von der momentanen Notwendigkeit, mehr Sinn machen, als das jährlich vom BMWi organisierte Get-together von Digitalexperten und -forschern komplett online über die Bühne zu bringen und somit nicht nur thematisch, sondern auch anhand der Umsetzung selbst für die Digitalisierung zu werben?
Genau dies geschah diese Woche (zugegebenermaßen notgedrungen) nun erstmals – und die breite Öffentlichkeit nahm intensiv davon Notiz, was nicht zuletzt auch an den unmissverständlich gewählten Worten gelegen haben dürfte, mit denen Bundeskanzlerin Angela Merkel das zögerliche Voranschreiten der Digitalisierung kritisierte: “Es wird die Dringlichkeit [der Digitalisierung] in vielen Bereichen immer noch nicht ausreichend erkannt; dass sich das alles ändert und dass wir einfach irgendwann Bummelletzter sind.”

Klare Worte, denen nun zügig Taten folgen sollten, denn tatsächlich wird von Experten schon seit Jahren gemahnt, dass Deutschland der digitalen Welt der Zukunft – etwas überspitzt formuliert – noch immer geradezu den Rücken zukehrt; eine Behauptung, die allein durch den Fakt des völlig unzureichenden Netzausbaus innerhalb der Republik tagtäglich Bestätigung findet.
Wenn in der Landeshauptstadt des bevölkerungsreichsten Bundeslandes auch 2020 noch das Verlegen von Glasfaser-Kabeln längst nicht abgeschlossen ist und die selbstorganisierte Aktion eines einzelnen Bauunternehmers aus Stadtlohn nötig ist, um nach jahrelangem Aufschieben endlich ein Dorf mit seinen 60 Einfamilienhäusern ans Glasfasernetz zu bringen, dann zeigt das, wie prekär die Situation im Vergleich zu unseren Nachbarn und anderen Industrie- und gar Schwellenländern tatsächlich ist.

Hoffen wir also, dass die neue deutsche Gallionsfigur der Digitalisierung – die Kanzlerin höchstpersönlich – genügend langfristige Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt hat (und weiterhin lenken wird), damit Veranstaltungen wie der Digital-Gipfel künftig nicht mehr nur – so Merkel –  “Elitenprojekte” bleiben, sondern von der Öffentlichkeit auch aus thematischer Sicht kritisch verfolgt werden – denn die Digitalisierung geht uns alle an.

Quellen:
www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/merkel-digitalgipfel-2020-1824098
www.de.digital/Service/Digital-Gipfel/Digital-Gipfel.html
www.wn.de/Welt/Politik/4322669-Online-Digitalgipfel-Merkel-fordert-mehr-Tempo-beim-digitalen-Wandel
www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/glasfaser-wette-stunden-rosendahl-hoeven-100.html