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Die deutsche Industrie: Perfektionswille als hinderndes Element

„Die deutsche Industrie hat die IT hervorragend genutzt, um sich zu automatisieren und das, was sie schon immer konnte, weiter zu perfektionieren […] Aber die Industrieunternehmen haben die IT nie in den Mittelpunkt gestellt und gefragt: Was kann ich damit tun, was ich nie zuvor tun konnte?“
Klare Worte von Marika Lulay, die ein Grundproblem der deutschen Digitalisierung beschreiben: Gerne setzt man digitale Lösungen im Betrieb ein, um bisherige Prozesse zu optimieren – doch es fehlt der Glaube oder die Fantasie hinsichtlich gänzlich neuer Lösungen und Wege.

Völlig neue Produkte und Geschäftsmodelle blieben daher bislang zumeist aus. Problematisch wird dies nun, wenn ausländischen Unternehmen zusehends der Sprung von Sparte zu Sparte gelingt – und somit aus dem einstigen Buchhändler Amazon plötzlich der Betriebssystem-Hersteller für ganze Zweige innerhalb der Automobilindustrie erwächst. Deutsche Unternehmen diskutierten zwar „rege über Stichworte wie Internet der Dinge, Industrie 4.0, Digitalisierung“, aber gerade viele KMUs bewerteten letztlich die Relevanz dieser Entwicklungen doch als zu niedrig, um tatsächlich in einen Willen zur aktiven Veränderung zu geraten.

Dabei steht laut dem Handelsblatt auch gerade die “Perfektionierungskultur” den einzelnen Unternehmen im Weg – gerade der Wille, alles richtig zu machen, zersetze die Bereitschaft, Neues zu versuchen und somit Risiken einzugehen, welche sich letztendlich aber durchaus rentieren könnten. Fazit ist: “Digitalisierung wird zunehmend zur Überlebensfrage für Unternehmen aller Branchen.”
Die deutsche Fragestellung lautet aber: Wie implementiere ich diese, ohne auch nur momentan von meinem bisherigen Erfolgsweg abzuweichen?

Quelle: www.handelsblatt.com/digitale-revolution/digitale-revolution-die-industrie-steht-kurz-vor-einem-radikalen-umbruch/