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CovPass, E-Rezept & Co.: Verbraucher entscheiden über Digitalisierungserfolg

Man könnte derzeit glauben, die Digitalisierung im Gesundheitswesen stünde gerade vor einer historischen Zäsur steht: Immer mehr Menschen räumen den neuen digitalen Technologien eine große Relevanz für die Zukunft ein und erwarten dementsprechend, dass sich die daraus resultierenden Möglichkeiten über kurz oder lang voll entfalten werden — und dennoch hinkt die tatsächliche Nutzung dieser Technologien den Umfragewerten deutlich hinterher.
Im Rahmen zweier durch Bitkom Research durchgeführten Befragungen innerhalb Deutschlands gaben rund drei Viertel der Teilnehmer an, dass sie davon ausgehen, mit Hilfe von digitalen Technologien Krisen wie die anhaltende Pandemie besser bewältigen zu können. Dieser Wert stellt den bisherigen Spitzenwert aller vergleichbaren Umfragen dar: Noch im Vorjahr hatten dies nur etwas mehr als die Hälfte aller Befragten angegeben.

Beziehungsstatus: Deutschland — Digitalisierung: „Es ist kompliziert“

Und dennoch bleiben die Digitalisierungsbestrebungen im Gesundheitssektor für viele scheinbar weiterhin unsichtbar: 2020 gaben 60% der Befragten ihr Gefühl zu Protokoll, dass das deutsche Gesundheitswesen in Sachen digitaler Lösungen anderen Ländern unterlegen sei — im aktuellen Jahr stieg dieser Wert nun sogar auf 70% an!
Wie kann es also sein, dass die großflächigen Empfindungen und Meinungen in Deutschland so stark von den real existierenden Möglichkeiten abweichen? Wenn knapp die Hälfte aller Deutschen einen digitalen Impfnachweis auf ihrem Smartphone hat (Tendenz weiter steigend) und gleichzeitig stark medial für das E-Rezept geworben wird und der Bedarf an ärztlichen Videosprechstunden im vergangenen Jahr sprunghaft anstieg, weshalb ist der generelle Digitalisierungsdiskurs dann dennoch so negativ aufgeladen?

Wenn die Möglichkeiten gegeben sind: Verbraucher in der Pflicht

Haben wir uns in Deutschland — wo doch seit Jahren vehement eigene strukturelle Fehlleistungen in den medialen Mittelpunkt gestellt werden — in eine Wahrnehmungsspirale des eigenen “Abgehängt-seins” manövriert? Haben wir überhaupt noch den Anspruch und das Ziel, uns auch im digitalen Verbrauchersektor als führende Industrienation aufzustellen?

Fragen dieser Art müssen wir uns gefallen lassen, wenn wir die elektronische Patientenakte und weitere vielversprechende digitale Lösungen wirklich noch erfolgreich auf den Weg bringen möchten. Denn am Ende entscheidet stets der Verbraucher: Nimmt er die Möglichkeiten nicht wahr (und pocht stattdessen weiterhin auf seine Wahrnehmung des Stillstands), kann der Staat letztlich so viel fördern, wie er will — das Geld wird durch Kliniken, Ärzte und andere Sektordienstleister schlicht nicht abgerufen oder aber versandet im Rahmen ineffizienter Projekte, denen die breite Zustimmung fehlen.
Die digitalen Strukturen sind vorhanden; innovative Köpfe haben Ansätze und Umsetzungsmöglichkeiten beigesteuert — nun ist es der Verbraucher, der Patient, der diesen neuen Chancen zu einer echten Bewährungsprobe verhelfen muss.

Quelle:

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/sicherheit-von-medizinischen-daten-wie-viel-digitalisierung-vertraegt-das-gesundheitswesen/27475822.html